Sie sind im Begriff, diese Website zu verlassen. Fortfahren?

Einverstanden - Seite wechseln

Trans Afrika und weitere 300'000 Kilometer

Trans Afrika und weitere 300'000 Kilometer

Trans Afrika und weitere 300'000 Kilometer

Von Herbert Blum

Es war 1991 als mir auf einer Piste im dichten Urwald von Kamerun unvermittelt die Gabel gebrochen ist und ich in das einzige Schlammloch auf 300m gefallen bin. Mehrere Wochen musste ich auf einen Ersatzholm aus der Schweiz warten, doch das war auch die einzige grössere Panne auf bisher 320’000km mit der Ténéré. Gekauft habe ich sie 1986 als bereits das neue Modell mit Elektrostarter angekündigt war. Ich wollte aber auf Reisen gehen und habe noch die 1985er XT600Z 47N gekauft. Im ersten Jahr war ich in England und Skandinavien bis ans Nordkap, später das Mittelmeer umrundetet mit ersten Wüstenetappen in Marokko und Algerien. Danach folgten Trans-Afrika, Naher Osten und Asien. Dabei überzeugte die Ténéré als zuverlässigen Reisebegleiter und als der ideale Wüstentöff. Sie gehört in die Sahara, macht aber auch hier viel Spass. In den mehr als 30 Jahren habe ich mit dieser Ténéré über 90 Länder bereist, viel gesehen, viel erlebt und habe heute immer noch grosse Freude an ihr. Daneben habe ich immer noch andere Motorräder besessen: stärkere, grössere, schnellere. Doch wenn es auf Reisen geht vertrau ich heute noch auf die alte Ténéré!

Die Ténéré ist zum Reisen gebaut. Aus dem Laden möchte sie am liebsten sofort dorthin wo ihr Name herkommt. Dabei überwindet sie mühelos alle Berge und lässt eine tagelange Anreise in ferne Länder zum Genuss werden. Kein Schlammloch oder Wellblechpiste kann sie aufhalten. Der urige Motor liefert in tiefen Drehzahlen ein so grosses Drehmoment, das sie mühelos die steilsten Hänge raufklettern lässt wie eine Bergziege. Dabei ist sie so leicht, das man auch schwierigen Strecken locker meistert. Hat man mal eine Panne benötigt man nur wenig Ersatzteile und Werkzeug und schon geht‘s wieder weiter.

Herbert Blum Ténéré

Heute aber leben wir im 21. Jahrhundert und nicht mehr in den Achtzigern. Die grossen Einzylinder sind am Aussterben, im Rallye Sport ist schon ein kleinerer Hubraum schnell genug und die Masse der “Enduros“ sind heute grossvolumige Zweizylinder. Dies werden aber weniger als Enduro eingesetzt, nein sie ersetzten vielmehr die normale Tourenmaschine. Nach Afrika fährt damit aber fast niemand mehr. Die Sahara ist in weiten Teilen zu unsicher geworden. Dafür macht man sich mit vollgepackten Alukoffern auf eine Stollenreifen-Tour ins Nachbarland. Das fehlende Abenteuer wird in Form von mächtigen Stürzbügeln angeschraubt. Dabei geht die ursprüngliche Einfachheit des Reisens, wie ihn die Ténéré so schön verkörpert verloren. Man braucht kein ABS, EPS, GPS und 100PS zum Reisen! Klar kann dies alles irgendwo hilfreich sein, aber eigentlich zählt vielmehr der Wille loszulassen und auf Neues einzulassen. Da finde ich knüpft die neue Ténéré 700 sehr gut an die Philosophie der Ur-Ténéré an, einfach und zuverlässig, weniger PS dafür leicht, eine wahre Ténéré.