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7.8.2012 Udo Greiner: In den wilden Kaukasus

Nach genau 66 Tagen und über 16000 km am Mittwoch, 18. Juli 2012 gegen 18:00 Uhr gesund und glücklich wieder zu Hause.

Vom 13. Mai 2012 – bis 17. Juli 2012 auf 16900 km durch Österreich – Italien – Griechenland – Türkei – Georgien – Armenien – Georgien – Türkei – Griechenland – Bulgarien – Serbien – Bosnien/Herzegowina – Kroatien – Slowenien – Österreich

Eine Reise in den Kaukasus war schon zu Jugendzeiten immer ein Traum von mir. Die sehr reizvollen und unterschiedlichen Landschaften des kleinen und großen Kaukasus versprechen dem Motorradfahrer grandiose Erlebnisse. Diese beiden relativ kleinen, christlichen Länder inmitten der islamischen Welt bieten auch sehr viele Sehenswürdigkeiten, die von der langen, nicht immer glücklichen Existenz zeugen. Wohl nur wenige Länder der Erde wurden in der Geschichte so oft von fremden Mächten erobert wie Georgien und Armenien. Dabei bewahrten sie sich aber immer den Mut für einen Neuanfang. Obwohl 70 Jahre Stalinismus ihre Spuren deutlich hinterlassen haben, entwickelt sich im Moment die touristische Infrastruktur wieder. Es gibt ausreichend Tankstellen

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und die Geschichten vom verbleiten Benzin bewahrheiteten sich zum Glück nicht. Hotels und private Gästehäuser fand ich auf fast allen Routen und die Versorgung mit Lebensmitteln war auf meiner Reise niemals ein Problem.

Mit gut zehn Wochen Zeit im Gepäck konnte ich zu Beginn meiner Tour den Frühling auf mehreren Etappen genießen. Zunächst ging es über die Alpen und durch Italien bis nach Bari Dort nahm ich die Fähre nach Igoumenitsa. Es begann eine Woche Griechenland mit vielen geschichtsträchtigen Orten und leider auch einigen unwetterartigen Regenfällen. Danach konnte das Abenteuer Türkei beginnen. Ich wählte eine Route ziemlich in der Mitte des Landes von West nach Ost. Troja, Kappadokien, Nemrut Dagi waren einige der Stationen bevor ich zum gigantischen Van See kam.

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Eine traumhafte Landschaft in einer von Krisen geschüttelten Region. Erdbeben und der militärische Konflikt mit den Kurden hinterlassen hier leider immer wieder ihre Spuren.

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Kurdistan Kurdistan Ostanatolien

Ich habe mich weit ins Gebirge in die Nähe des Irak und Iran vorgewagt und war immer wieder von der Gastfreundschaft der Bewohner überwältigt.

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Schwarzes Meer Vulkane

Beeindruckend die unsägliche Einfachheit des Lebens der Menschen in völlig abgeschiedenen Gebirgsregionen.

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Weiter Richtung Georgien erschließt sich bald der gigantische Anblick des 5137 Meter hohen Ararat.

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Der direkte Weg nach Armenien ist leider nicht möglich. Auch der erste Grenzübergang nach Georgien bei Aktas ist geschlossen.

So treffen ich in einem heftigen Gewitter mit Hagelschauern ganz zufällig auf Sabine und Dietmar aus Deutschland.

Die ersten Motorradfahrer seit langer Zeit. Bald kommen auch noch zwei Briten dazu und wir fahren zum nächsten Hotel in Ardahan . Mit Franzis und Danny geht es am nächsten Tag weiter nach Georgien. Die Beiden sind auf dem Weg in die Mongolei. Die schwerste Offroadetappe bestehen wir gleich am ersten Tag.

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13 km auf der Karte sind in Wirklichkeit mehr als vierzig. Steine, tiefe Furchen, Felsen und auf der Passhöhe Pfütze an Pfütze von glitschigem Schlamm umgeben fordern von uns viel Kraft und Mut.

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5 Stunden kommen dabei leicht zusammen und wir sind überglücklich noch vor Einbruch der Dunkelheit unser Ziel, ein Thermalhotel, anzusteuern. Die Dreckpfützen von unseren Füßen und Anzügen in der penibel sauberen Empfanghalle kümmern uns nach diesem Abenteuer nicht mehr. Wir werden herzlich empfangen, sogar die Cafeteria wird für uns länger geöffnet, damit wir auch noch ein Abendessen bekommen können. Bald danach mache ich mich alleine weiter auf den Weg nach Armenien. Noch einmal zelten am Höhlenkloster in Vardzia.

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Die Orientierung erfolgt nun ausschließlich mit der Karte. Ortschaften können bis zu vier/fünf verschiedene Schreibweisen aufweisen oder ganz andere Namen haben als auf der Karte. Mir hilft mein bisschen Russisch enorm.

In Armenien habe ich in zwei Wochen keinen einzigen Motorradfahrer gesehen. Dafür warten auf mich atemberaubende Landschaften im ständigen Wechsel.

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Sehr trockene Steppen, grüne Hochgebirgslandschaften völlig ohne Bäume, Steinwüste an der Grenze zum Iran

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und bald wieder tiefe Mischwälder säumen die Straßen.

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Armenien Sevan See

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Armenien Kloster Sevan

 

Von den schon lange währenden Konflikten mit Aserbaidschan bekam ich zum Glück nichts mit. Man versicherte mir überall, im Moment sei es absolut sicher. Hotels und Privatunterkünfte warten hier auf eine spärliche Zahl von Besuchern. Neugierig werde ich immer wieder von vielen Passanten umringt. Eigentlich habe ich seit der Türkei kaum eine ruhige Minute und werde immer wieder angesprochen. Woher? Wohin? Warum alleine? Was kostet das Motorrad? Wie schnell fährt es? Warum keine BMW? Yamaha ist doch viel besser! Das muss ich ihnen aber immer erst verklickern. Freundliche, hilfsbereite Menschen treffe ich überall. Ich bin mir sicher: Sie hätten mir sogar meinen Geldbeutel nachgetragen.

Zurück in Georgien gehe ich bald die Kaukasische Heeresstraße an. Zunächst muss ich aber in eine Herberge, denn es regnet und alle Berge sind verhüllt. Am nächsten Morgen erwartet mich strahlender Sonnenschein. Nach Gudauri endet der Asphalt und man teilt sich Pfützen und Schlamm mit den LKW’s.

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Besonders beeindruckend das Gebirgstal vor Stepanzminda (auf der Karte Kazbegi). Die Darjal Schlucht wartet dann leider mit vielen Baustellen auf mich.

Hier wird ein Wasserkraftwerk errichtet. Polen und Ukrainer auf Motorrädern wissen: Die Grenze zu Russland ist mittlerweile auch für Touristen mit Visa passierbar.

Mein letztes Ziel ist die Region der Swanen. Anders als in Armenien, gibt es in Georgien viele verschiedene Volksstämme mit ganz verschiedenen Sprachen.

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Zahlreiche Unabhängigkeitsbewegungen haben zu vielen kleinen nationalen Konglomeraten geführt, die wie beispielsweise Süd Ossetien und Abchasien für Touristen auf Grund der Sicherheitslage nicht passierbar sind. Rundherum wartet man intensiv auf eine neue Touristenwelle…

Der Weg von Zugdidi nach Mestia ist einzigartig.

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Zunächst hoch über dem türkis schimmernden Wasser eines Stausees, dann durch enge Schluchten und abenteuerliche Tunnel (ohne Licht, dafür mit teilweise ziemlich viel Wasser von der Decke).

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Mestia, die Stadt mit den meisten noch erhaltenen Wehrtürmen in Oberswanetien ist im Moment eine einzige Baustelle. Straßen und Unterkünfte werden eiligst errichtet. Kleine Gruppen von Wanderern und Autotouristen bevölkern zögerlich die Stadt. Sogar ein Motorradpaar aus Schweden traf ich auf dem Weg. Empfehlenswert auf alle Fälle die Weiterfahrt bis Ushguli. Wegen der starken Regenfälle an den Vortagen beendete ich meinen Ausflug dorthin allerdings nach gut drei Stunden. Pfützen und Schlamm nahmen einfach kein Ende.

An der Schwarzmeerküste trete ich nach zwei Tagen Badeurlaub die mehr als 3000 km lange Heimreise an. In der Türkei versperren mir bei Sinop heftige Unwetter und Straßensperrungen den Weg.

Es gab auch Hindernisse anderer Art

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Die Strecke bis nach Griechenland verbringe ich nun leider meistens auf Schnellstraßen. Der anschließende etwas langsamere Weg auf kleinen Straßen über den Balkan gestaltet sich zu einem wundervollen Abschluss einer fantastischen Motorradtour.

Reifen, Öl und Zündkerze wurden unterwegs gewechselt. Fast 17000 km ohne eine einzige Panne! Meine XT stellte sich wieder mal als absolut zuverlässig und ungemein vielseitig heraus. Von Schlammpisten, Flussdurchquerungen, schier endlose staubige Schotterpisten, Schlagloch an Schlagloch, bis hin zum glatten Asphalt der Autobahnen, es war mir wieder eine große Freude, mit der Ténéré unterwegs zu sein.

16.000 Kilometer ohne eine einzige Panne. Alle meine Freunde mit anderen Motorradmarken waren sich einig: „Solch ein Moped musst du erst mal finden."

Pforzheim, 18. Juli 2012 

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