R1 2015: MotoGP Technologie durch und durch

R1 2015: MotoGP Technologie durch und durch

Die Yamaha Ingenieure hatten sich zu einem radikalen Schritt entschlossen: anstatt wie üblich das Vorgängermodell der R1 weiter zu entwickeln, haben sie die YZR-M1, also das MotoGP Motorrad, als Basis genommen. Das hat zu einer neuen R1 geführt, die 80% Schnittmenge mit der MotoGP Maschine hat. Beispiel: der Crossplane Motor, das supersteife Fahrwerk und nicht zuletzt die elektronischen Fahrhilfen. Die Unterschiede von Rennmaschine und Straßenmaschine liegen eigentlich nur noch bei straßentauglichen Komponenten zur Homologation und in Bauteilen, die auf Lebensdauer und Kosteneffizienz hin ausgelegt wurden.

2015_YZF1000R1_Supersport_Like an M1 with a number plate from 236-598327 (gc_single_col)Wie eine M1 mit Nummernschild
2015_YZF1000R1_Supersport_Project Leader Fujiwara explains from 236-598333 (gc_single_col)Projektleiter Fujiwara erklärt
2015_YZF1000R1_Supersport_Light weight package from 236-598321 (gc_single_col)Leichtbau
2015_YZF1000R1_Supersport_Beautiful, full magnesium wheels from 236-599239 (gc_single_col)Räder aus Magnesium
2015_YZF1000R1_Supersport_Titanium fracture-split conrods from 236-598375 (gc_single_col)‚Gecrackte‘ Pleuel aus Titan
 
Die GP Stars Valentino Rossi und Jorge Lorenzo waren bei der Pressevorstellung der neuen R1 dabei und hielten mit Ihrer Meinung dazu nicht hinterm Berg. Valentino spaßte: „Das ist eine M1 mit Nummernschild.“ Er muss es wissen, denn er war bei den Testfahrten auf dem Yamaha Testgelände in Fukuroi Japan während der Entwicklungsphase dabei. „Der Unterschied zum Vorgängermodell ist gravierend. Das betrifft nicht nur die Leistung. Wenn man die Neue fährt, merkt man gleich, dass es ganz anders ist. Das Vorgängermodell hatte einen anderen Motor, ein anderes Beschleunigungsverhalten und Fahrverhalten. Die Neue hingegen fühlt sich leichter und  kompakter an, man merkt einen deutlichen Unterschied.“ Valentino weiter: „Wir haben versucht, das Gefühl fürs Motorrad zu verbessern, einschließlich Bremsgefühl und den Fahrspaß im Allgemeinen.“
Leichtgewicht
Projektleiter Hideki Fujiwara erklärt: „Die Maschine wurde gebaut, um auf Rennstrecken vorne dabei zu sein. Das war das Entwicklungsziel. Das Team konzentrierte sich darauf, das Gewicht zu reduzieren und die Fahrbarkeit zu verbessern.“ Die Yamaha Ingenieure haben dabei stark auf Leichtbau gesetzt und so das Gewicht auf 199kg gedrückt. Wohlgemerkt fahrfertig und straßenzugelassen! Das heißt mit Batterie, und einschließlich aller Betriebsstoffe wie Öl und einem vollen Benzintank!
Einige dieser Bauteile die für den Leichtbau entscheidend sind:
· Magnesium Räder – ebenfalls Teil der rotierenden Massen mit Einfluss auf Handling
· Aluminium Tank – etwa 1,9 kg leichter als ein vergleichbarer Stahltank
· Aluminium Rahmen mit Heckrahmen aus Magnesium - leicht und steif
· Motordeckel aus Magnesium und leichte Kurbelwelle - ergeben ein geringes Motorgewicht
· ‚Gecrackte‘ Pleuel aus Titan (wurde bei einem Serienmotorrad noch nie eingesetzt) - resultiert in Gewichtseinsparung und besserem Ansprechverhalten.
„Die Drehzahl bei maximaler Leistung liegt 1000/min höher als beim Vorgänger Modell“, sagt Hideki. „Ich glaube, schon der Sound verrät, dass die Maschine näher am Drehzahlniveau einer M1 liegt.“
 
 


2015_YZF1000R1_Supersport_Engine is completely new from 236-598291 (gc_single_col)Der Motor: eine komplette Neukonstruktion
2015_YZF1000R1_Supersport_Compact engine with magnesium covers from 236-598261 (gc_single_col)Kompakte Bauweise mit Seitendeckeln aus Magnesium
2015_YZF1000R1_Supersport_Crossplane crankshaft from 236-598273 (gc_single_col)‚Crossplane‘ Kurbelwelle
2015_YZF1000R1_Supersport_Special feeling, special sound from 236-598351 (gc_single_col)Spezielles Fahrgefühl und spezieller Sound
   
Leistung
Der Motor ist also komplett neu und ein Meisterstück der Vierzylinder Technologie. Pent-Roof (dachförmige)  Brennräume, DOHC Zylinderkopf mit Schlepphebeln für zusätzlichen Ventilhub, speziell bearbeitete Kanäle, Einlassventile aus Titan, geschmiedete Kolben, hohe Verdichtung, Zylinder-Offset, spezielle reibungsarme Beschichtung, Zwangsbelüftung im Einlass, große Airbox, doppelte Einspritzdüsen, YCC-I um den Einlasskanal bei hohen Drehzahlen zu verkürzen und so weiter. All das ergibt dann 147 kW (200 PS)  noch ohne den Effekt der Zwangsbelüftung ausgeschöpft zu haben. Der Motor selbst ist überdies 4 kg leichter als beim Vorgängerpedant. 
‚Crossplane‘ Gefühl und Sound
Das ‚Crossplane‘ Motordesign ist eine Entwicklung aus dem MotoGP Rennsport, ursprünglich gedacht für Valentino Rossis M1,  mit der etliche Weltmeistertitel errungen wurden. Die Kurbelwelle ist so ausgelegt, dass jeder der vier Kolben asynchron bewegt wird (also nicht paarweise wie beim konventionellen Vierzylinder üblich) und somit die Massenkräfte  während einer Kurbelwellendrehung gleichmäßiger verteilt werden. „Das gibt ein unvergleichliches Gefühl für den Fahrer“, bestätigt Hideki. „Der Motor ist sehr leistungsstark und mit dieser Auslegung kann man das Potential viel leichter ausschöpfen.“
Die ‚Crossplane‘ Auslegung resultiert in eine unregelmäßige Zündfolge mit deren speziellem Charakter und den unvergleichlichen Klang mit einem tiefen kratzigen Sound!

2015_YZF1000R1_Supersport_Prototype for testing shows the MotoGP influence from 236-598339 (gc_single_col)Der Test Prototyp zeigt den Einfluss aus MotoGP
 
2015_YZF1000R1_Supersport_Compact bike with short wheelbase from 236-598255 (gc_single_col)Kompaktes Motorrad mit kurzem Radstand
2015_YZF1000R1_Supersport_Testing the match between system and bike from 236-598369 (gc_single_col)Tests für das Zusammenspiel von System und Motorrad
2015_YZF1000R1_Supersport_Aerodynamic test with clay model from 236-598237 (gc_single_col)Aerodynamik-Test mit Modell aus Knetmasse
  
MotoGP Einfluss
Mit der Entwicklung der neuen R1 waren zwischen 100 und 150 Ingenieure beschäftigt. „Wir haben auch Techniker aus dem MotoGP Team geholt, die Seite an Seite mit den Ingenieuren der Serienentwicklung gearbeitet haben“, erklärt Hideki. „Und wir haben uns oft mit allen möglichen Leuten aus dem MotoGP Team getroffen, einschließlich Fahrern wie Valentino Rossi, Josh Hayes, Wataru Yoshiwara und Norihiko Fujiwara. Insgesamt waren 10 Spezialisten aus dem Rennteam involviert.“ 
Elektronik
Valentino kommentiert die Einführung der Elektronik im MotoGP und meint, dass die Technik zunächst eine Art Schock bei den Fahrern ausgelöst hatte. Allerdings ist Elektronik heutzutage normal und voll akzeptiert: „Die elektronischen Systeme im MotoGP sind mittlerweile perfektioniert und alles fühlt sich natürlich an. Zunächst muss man sich auch darüber im Klaren sein, dass ein solches Motorrad ohne elektronische Fahrhilfen eigentlich nicht fahrbar ist, wegen dem Überschuss an Leistung und dem geringen Gewicht. Die neuste Elektronik arbeitet unauffällig und alles fühlt sich natürlich an und macht das Fahren einfacher.“ Der Projektleiter dazu: „Da unser Entwicklungsziel Kompaktheit und kurzer Radstand war, ging diese Auslegung nur mit elektronischen Fahrhilfen.“
Zur Entwicklung der Elektronik meint er: „Wir sehen das Motorrad und seine Elektronik als ein hochgradig vernetztes, komplexes System. Es musste sozusagen als ein Organismus zusammenwachsen. Deswegen haben wir nicht einfach ein System eines der großen Elektroniklieferanten übernommen. Wir haben selbst sehr viel Erfahrung eingebracht, um Motorrad und Elektronik zu verschmelzen.“

Erfahren Sie mehr über diese elektronischen Systeme in dem Beitrag:
R1: Ein Elektronik-Paket direkt aus dem Rennsport (unter Weitere Artikel, auf der rechten Seite).

Technische Daten

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